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Ventil -
Das Vereinsorgan

 

Gegenwind für Radler

Ist es Euch auch aufgefallen? Die Medien haben mal wieder die Radfahrer im Visier. Nein, nichts darüber, dass sie ohne Lärm und Schadstoffausstoß unterwegs sind, in den Fernsehberichten und Zeitungsartikeln ist von radelnden Rowdies die Rede. Schenkt man den Verfassern Glauben, ist das Image der Radfahrer ähnlich dem von Kampfhunden. Keine Frage, es gibt viel Fehlverhalten unter den Radfahrern. Die kritischen Argumente offenbaren jedoch bei genauerem Hinsehen oft mangelnde Sachkenntnis der vermeintlichen Fachleute. Es ist eine Frage des Bewusstseins, ob man den Radler als vollwertigen Partner im Straßenverkehr oder nur als lästiges Hindernis wahrnimmt. Die Straßenverkehrsordnung regelt dies eindeutig, sie definiert den Radfahrer als gleichberechtigten Verkehrsteilnehmer und lässt ihm in manchen Fällen sogar einen besonderen Schutz zukommen. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht immer das Selbe. Unabhängig von der Schuldfrage riskiert ein Autofahrer bei einer Konfrontation mit einem Radfahrer höchstens eine Beule, umgekehrt kann dies für den Radler lebensbedrohend sein. Die Vorschriften über Vorfahrt und Abstand scheinen weitgehend unbekannt zu sein und werden vom motorisierten Verkehr so häufig verletzt, dass es schon als "normal" gilt, wenn der Radfahrer zum Ausweichen genötigt wird oder aus Furcht um seine Gesundheit freiwillig auf sein Recht verzichtet. In den Statistiken erscheinen diese Verstöße kaum, da sie nur bei einem Unfall zur Anzeige kommen und die zuständigen Behörden im Rahmen der Verkehrsüberwachung leider ganz andere Schwerpunkte setzen. Indes, die Flucht auf den Gehweg hilft dem Radler auch nichts, weil dort Fußgänger zwar zu Recht ihren Platz einfordern, sich andererseits aber ohne jedes Unrechtsbewusstsein auf den Radwegen tummeln.

Auch wenn es uns manche Medien glauben machen wollen, "die Radfahrer" als homogene Gruppe gibt es ebenso wenig wie "die Autofahrer". Die meisten sind Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zugleich. Das sonntägliche Radeln mit der Familie hat wenig mit der Arbeit eines Radkuriers in der City gemein. Ein Autofahrer der rücksichtslos auf dem Radweg parkt hat sicher auch wenig Hemmungen, mit dem Rad über den Gehweg zu rasen. Pauschale Schuldzuweisungen helfen nichts. Mangelnde Rücksicht auf Schwächere ist kein Problem der Radfahrer, sondern ein Produkt des herrschenden Zeitgeistes. Unsere Ellenbogengesellschaft fördert leider solche Auswüchse, ob als "Mobber" am Arbeitsplatz, als PS-gewaltiger Autobahndrängler oder als Rambo auf zwei Rädern. Eine Chance auf Besserung besteht nur, wenn sich alle darauf besinnen, wie sich ihr Handeln auf die anderen Verkehrsteilnehmer auswirkt.          .

Also, nehmt Rücksicht, lasst Euch aber nicht abdrängen. 

Rupert Mayer